Ich kauf mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt

Konsumverhalten in sozialen Netzwerken

Beitragsbild - eine Hand mit einer Marionette an der ein Mädchen, darum verschiedene Gegenstände wie Socken, Pinsel, etc.
„Hey Leute, guten Morgen. Ich dachte mir, ich vlogge einfach nochmal ein bisschen.“ So oder so ähnlich fangen viele Videos auf YouTube an, zum Beispiel das von Mavie Noelle. Der Anfang klingt trivial – ein Vlog über ihr Wochenende, ihre Geburtstagsfeier mit Freundinnen und Familie. Der Titel der Videos verrät den Zuschauer*innen aber deutlich mehr über das, was noch folgt: Shopping für neue Outfits Weekend Vlog. YouTube ist übersäht von solchen Shopping-Vlogs, Hauls und anderen Formaten, die besonders viel Werbung an die Zuschauer*innen herantragen – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Auffällig ist der ungezügelte Konsum, der aus vielen Videos spricht. Dabei spielt das Alter der Influencer*innen keine Rolle, jung wie alt präsentieren Videos wie 10-jährige darf DM LEER KAUFEN, 30kg KLAMOTTEN bestellt, Wir bestellen BLIND auf AMAZON oder HUGE LONDON LUXURY HAUL: Chanel, Louis Vuitton, Dior, + more!

Du willst dir selbst ein Bild machen?

Shopping scheint zur Freizeitbeschäftigung geworden zu sein, mit der sich auch noch auf Social-Media-Plattformen nebenbei Geld verdienen lässt. Die Unboxing-Youtube-Studie von 2019 beschreibt das Erlebnis Einkaufen als „Kernaktivität der modernen Konsumgesellschaft.“ Sie erklärt, wie nicht nur Neugierde durch besagte Formate geweckt wird, sondern auch materielle Begehrlichkeiten. Es geht nicht immer primär um die Produkte, sondern um die aufregende Gestaltung der eigenen Freizeit. So kaufen YouTuber*innen Geschäfte „leer“ oder bestellen alle Gerichte auf der Karte zu sich nach Hause. Die Unboxing-YouTube-Studie formuliert es treffend:
So drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, dass auch intimste Ereignisse an kommerzielle Verwertungsinteressen angepasst, wenn nicht sogar ihnen untergeordnet werden.“ 
Es ist längst kein Geheimnis mehr. So verdient man Geld auf YouTube. So verdient man Geld in unserer heutigen Konsumgesellschaft. Und der Konsum ist zumindest auf YouTube in wirklich allen Altersschichten angekommen. Was durchaus problematisch ist, wenn man mal genau betrachtet, welche Werte dort vermittelt werden und wie damit folglich umgegangen wird. Eltern spielen mit ihren Kindern vor laufender Kamera mit Geldumschlägen verstecken, Kinder werben bei heißem Kakao und Keksen für ihren Merch und werden auf dem Schoß ihrer Mutter zu Produkttester*innen.

MILEYS WELT: Schmink Travel-Set für Kinder – Germanys Next Topmodel – Kinderkanal. YouTube, 28.05.2015, https://www.youtube.com/watch?v=KFcSp-hBdyw 

Aber diese Entwicklungen sind längst nichts Neues. Influencer*in ist heute ein Beruf, der immer mehr Akzeptanz in unserer Gesellschaft findet. Dementsprechend streben auch immer mehr Kinder und Jugendliche diesen Karriereweg an, wenn auch nicht als Hauptstandbein. Bei diesem Thema lässt sich viel über Verantwortung, Wertvorstellungen und Zukunft diskutieren. Wohin entwickeln wir uns als Gesellschaft? Aber wer in dieser Diskussion viel zu wenig zu Wort kommt, ist die Generation, über die wir hier sprechen. Die Generation, die wir als gefährdet ansehen und die selbst Content rezipiert und bzw. oder produziert. Also lasst uns ein bisschen mehr mit anstatt immer nur über die Generation Z sprechen.

Let's talk...

Unsere Generation Z in diesen Gesprächen: Acht Mädchen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren, die auf dem Land und in der Vorstadt aufwachsen.

Was macht ihr in eurer Freizeit?

Was stand auf eurem Wunschzettel?

Welche Social-Media-Kanäle nutzt ihr?

Welche Rolle spielt Geld in eurem Leben heute und in Zukunft?
Habt ihr euch schon Gedanken über mögliche Berufe gemacht?

Welche Kanäle und Inhalte schaut ihr?

Vertraust du auf das Urteil von Influencer*innen und hast du schonmal deren eigene Produkte gekauft?

Wisst ihr, wie Influencer*innen auf Youtube / in Social Media Geld verdienen?

Beeinflusst Social Media die Einstellungen und Vorstellungen seiner jungen Rezipient*innen?

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